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Bevor man Prozesse verbessern kann, muss man wissen, welche Prozesse überhaupt existieren. Genau das leistet die Prozesslandkarte: Sie zeigt das Gesamtbild. Nicht jedes Detail – sondern die Landschaft. Wer kein Gesamtbild hat, optimiert Ausschnitte. Manchmal den falschen.

Was eine Prozesslandkarte ist: Eine Prozesslandkarte – auch Prozessarchitektur genannt – ist die strukturierte, visuelle Übersicht aller wesentlichen Prozesse einer Organisation auf oberster Ebene. Sie gliedert sich typischerweise in drei Kategorien: Führungsprozesse – strategische Steuerung, Planung, Qualitätsmanagement, Controlling. Kernprozesse – alle Prozesse, die direkt zur Leistungserbringung am Kunden beitragen: Auftragsabwicklung, Leistungserbringung, Kundenbetreuung. Unterstützungsprozesse – Prozesse, die den Betrieb ermöglichen, aber keinen direkten Kundennutzen erzeugen: Personalwesen, IT, Finanzen, Infrastruktur. Die Prozesslandkarte ist kein Flussdiagramm. Sie zeigt nicht, wie ein Prozess im Detail abläuft – sondern welche Prozesse es gibt und wie sie zusammenhängen.

Wozu sie dient: Die Prozesslandkarte ist das Fundament jedes ernsthaften Prozessmanagements. Sie klärt, welche Prozesse existieren und wer dafür verantwortlich ist. Sie macht Schnittstellen zwischen Abteilungen sichtbar – genau dort, wo die meiste Reibung entsteht. Sie zeigt, welche Prozesse für die Strategie zentral sind – und welche womöglich gar nicht mehr gebraucht werden. Und sie schafft eine gemeinsame Sprache: Wenn alle dasselbe Bild sehen, hören die Endlosdiskussionen über Zuständigkeiten auf. Meistens.

Prozesslandkarte und Chandler – die strategische Verbindung: Alfred D. Chandlers Prinzip – Structure follows Strategy – gilt auch hier. Eine Prozesslandkarte, die nicht aus der Strategie abgeleitet ist, bildet ab, was historisch gewachsen ist. Das kann interessant sein. Nützlich ist es selten. Die Frage lautet deshalb nicht: Welche Prozesse haben wir? Sondern: Welche Prozesse brauchen wir, um unsere Strategie zu erfüllen? Aus dieser Frage entsteht eine Prozesslandkarte, die Orientierung gibt – statt nur Komplexität abzubilden.

In der Praxis: Prozesslandkarten entstehen im Workshop – mit Führungskräften und Prozessverantwortlichen gemeinsam. Nicht im Einzelbüro, nicht vom Berater allein. Der Erstellungsprozess selbst ist oft wertvoller als das Resultat: Er deckt Unklarheiten auf, macht blinde Flecken sichtbar und erzwingt Einigkeit über das, was wirklich zum Kerngeschäft gehört. Sobald die Landkarte steht, folgt der nächste Schritt: Einzelne Prozesse werden per Wertstromanalyse im Detail betrachtet – und systematisch verbessert.

Verwandte Begriffe: Prozessmanagement, Prozessoptimierung, Wertstromanalyse, Lean Management, Organisationsentwicklung, PDCA-Zyklus

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