Lean Six Sigma ist die Verbindung zweier komplementärer Verbesserungsansätze: Lean Management und Six Sigma. Geprägt wurde der Begriff massgeblich durch Michael George (2002), der zeigte, dass beide Methoden unterschiedliche Stärken haben – und sich gegenseitig verstärken, wenn sie kombiniert werden.
Der entscheidende Unterschied liegt nicht in den Werkzeugen, sondern in der Grundphilosophie und Verankerung im Unternehmen:
Lean Management setzt auf vollständige Durchdringung: Alle Mitarbeitenden – vom Shopfloor bis zur Führungsebene – sind Teil des Verbesserungssystems. Kaizen, 5S und Wertstromdenken sind keine Expertenmethoden, sondern gelebte Alltagspraxis. Lean verändert die Unternehmenskultur von innen heraus.
Six Sigma setzt auf dedizierte Verbesserungsexperten: Das Belt-System – White Belt, Yellow Belt, Green Belt, Black Belt, Master Black Belt – schafft klar definierte Kompetenzstufen. Black Belts führen komplexe Verbesserungsprojekte, Green Belts unterstützen sie im Tagesgeschäft. Six Sigma bringt statistische Tiefe und strukturierte Projektführung.
Lean Six Sigma kombiniert beide Stärken: die kulturelle Breitenwirkung von Lean mit der analytischen Präzision von Six Sigma. In der Praxis bedeutet das: Lean schafft den Fluss, Six Sigma sichert die Qualität. Lean mobilisiert alle, Six Sigma löst die komplexen Probleme, die Alltagsverbesserung nicht erreicht.
Wichtig: Lean Six Sigma ist kein neues, eigenständiges System – es ist eine pragmatische Kombination, die je nach Unternehmenskontext unterschiedlich gewichtet wird. Toyota selbst hat Six Sigma nie formell integriert. In westlichen Unternehmen hat sich Lean Six Sigma jedoch als vollständiges Verbesserungssystem etabliert.
Verwandte Begriffe: Lean Management, Six Sigma, DMAIC-Zyklus, Kaizen, Wertstromanalyse

