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Das Spaghetti-Diagramm macht sichtbar, was niemand sehen will: wie viele unnötige Wege Menschen täglich zurücklegen, weil Arbeitsplätze, Materialien und Informationen nicht dort sind, wo sie gebraucht werden.


Was bedeutet Spaghetti-Diagramm?

Das Spaghetti-Diagramm ist eine visuelle Analysemethode aus dem Lean Management. Es zeichnet die tatsächlichen Bewegungswege von Personen, Materialien oder Informationen in einem Prozess als Linien in einen Grundriss – und macht damit Ineffizienzen im Layout und in der Arbeitsorganisation auf einen Blick erkennbar. Der Name ist Programm: Wer viele Wege einzeichnet, erhält ein Bild, das an einen Teller Spaghetti erinnert.

Die Methode stammt aus der Produktionsoptimierung und wurde im Rahmen des Toyota Production Systems weiterentwickelt. Heute findet sie ebenso Anwendung in administrativen Bereichen, in der Pflege und in der Verwaltung – überall dort, wo Menschen sich physisch bewegen, um ihre Arbeit zu erledigen.

Spaghetti-Diagramm im Unternehmensalltag

Eine Pflegefachperson auf einer Bettenstation läuft pro Schicht mehrere Kilometer – nicht wegen der Patienten, sondern weil Materialien, Dokumentationsstation und Medikamentenschrank an drei verschiedenen Orten liegen. Ein Sachbearbeiter in der Auftragsabwicklung wechselt zwischen Drucker, Ablage und Arbeitsplatz hin und her, weil das Bürolayout nie hinterfragt wurde. Ein Mitarbeitender im Lager sucht Werkzeug an fünf verschiedenen Stellen.

Das Spaghetti-Diagramm entsteht durch direkte Beobachtung am Gemba: Man folgt einer Person oder einem Objekt, zeichnet jeden Weg in den Grundriss ein und misst am Ende die zurückgelegte Distanz. Das Ergebnis ist oft ernüchternd – und immer aufschlussreich. Typische Erkenntnisse: 40–60% der Wege sind vermeidbar. Die Lösung liegt häufig nicht in neuer Technologie, sondern in einer besseren Anordnung von Arbeitsmitteln und Stationen.

Warum das Spaghetti-Diagramm bei Leanovation eine Rolle spielt

Das Spaghetti-Diagramm ist eines der wirkungsvollsten Instrumente in der ersten Phase unseres Vorgehens: Verstehen. Es schafft Fakten, wo vorher Gefühle waren. Wenn ein Team zum ersten Mal sieht, wie viele Kilometer täglich für Tätigkeiten zurückgelegt werden, die eigentlich keinen Wert erzeugen, entsteht Veränderungsbereitschaft – ohne Überzeugungsarbeit.

Wir setzen das Spaghetti-Diagramm häufig in Kombination mit der Wertstromanalyse ein: Während die Wertstromanalyse den Prozessfluss zeigt, macht das Spaghetti-Diagramm den physischen Bewegungsfluss sichtbar. Beide zusammen liefern ein vollständiges Bild des Ist-Zustands. Die daraus abgeleiteten Massnahmen – etwa eine Neuanordnung von Arbeitsplätzen nach 5S – führen regelmässig zu messbaren Entlastungen und reduzierten Durchlaufzeiten, ohne dass ein einziges neues System eingeführt werden muss.

Verwandte Begriffe

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